Was sind die Grundlagen meiner Gesangstechnik?
Wie baue ich eine Stimme auf?
Wie kann man ein gutes Einsingen gestalten?
(Anmerkung: Dieser Artikel zeigt das “Gerüst” meiner Gesangstechnik. Die einzelnen Abschnitte werden nach und nach mit weiteren Artikeln und Gesangsübungen ergänzt.)

Bauklötze
Baukastensystem
In meiner Beschäftigung mit der Stimme in all Ihren Dimensionen – als Sängerin und als Pädagogin – habe ich in den letzten Jahren ein System entwickelt, in welchem ich die Aspekte von Gesangstechnik in Themenbereiche unterteilt habe. Diese Bereiche enthalten jeweils verschiedene Übungen, die man nutzen kann, um Muskelgruppen gezielt anzusprechen und einzelne technische Bereiche zu trainieren.
Einsingen
Diese Übungen verwende ich wie ein Baukastensystem: Für ein typisches Einsingen nehme ich z.B. aus jedem (oder je nach zeitlicher Einschränkung fast jedem) Themenbereich ungefähr eine Übung, so dass am Ende alle Bereiche geübt wurden. Die Reihenfolge der Themen ist dabei keinesfalls zufällig! 😉
Es gibt einfachere und schwierigere Übungen, so dass man sie dem Erfahrungsgrad der Sänger anpassen kann.
Singen lernen
Beim Singen lernen – wenn die Gesangstechnik aufgebaut wird -, gehe ich so vor, dass alle diese Themenbereiche nach und nach erarbeitet werden und dann parallel zueinander immer weiter geübt und ausgebaut werden können. Zuerst bringe ich Sängern bei “geradeaus” zu singen. Ich möchte, dass sie eine natürliche, entspannte Art zu singen finden. Töne in der Mittellage sollen stabil und sauber intoniert werden können, der Atem lang genug reichen für mittlere “normale” Phrasen, der Hals kann entspannt offen bleiben und die Zunge artikuliert möglichst “störungsfrei”. Erst im nächsten Schritt geht es für mich dann darum, ob der Klang klassischer oder eher in Richtung Pop klingen soll, erst dann kommt Dynamik ins Spiel und auch erst dann werden hohe Töne wirklich interessant (auch wenn ich diese in Übungen schon früh mitsingen lasse – aber ohne Anspruch auf Klangqualität).
Diese Herangehensweise ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität. Mein Wunsch ist es, dass Sänger später selbst entscheiden können, wie sie ihre Stimme einsetzen und im Idealfall sowohl einen klassischen Klang erzeugen können, als auch überzeugend Pop/Jazz usw. singen.
Themenbereiche meiner Gesangstechnik
Und welche Themen haben wir denn nun? Hier eine kleine Übersicht:
Abschnitt 1 – Muskelfunktionsübungen
- Köper und Atmung
- Stimmsitz und Intonation
- Vokaltrakt – Öffnung
- Vokaltrakt – Rundung
- Zunge, Artikulation und “i”
- Vokalausgleich
- Konsonanten und Zwerchfell
Abschnitt 3 – Stimmbereiche und Übergänge
- Einzelne Bereiche (Kopfstimme, Bruststimme,…)
- Übergänge/Passagio
- Große Tonumfänge und hohe Töne
- Tiefe Töne
Abschnitt 4 – Spezielle Themen
- Schwellfähigkeit/Dynamik
- Staccato
- Koloratur
- Popgesang im Unterschied zum klassischen Klang
Abschnitt 1 – Muskelfunktionsübungen
Diese Übungen in diesem Abschnitt sind in gewisser Weise reine Muskelfunktionsübungen. Hier geht es noch nicht um “richtig singen” und einen “schönen Klang”, sondern darum, bestimmte Dinge zu spüren und möglichst umzusetzen.
Köper und Atmung
Zunächst geht es um Körper und Atmung. In diesen Abschnitt gehören z.B. Körperübungen zum Aufwärmen, Atemübungen und auch das von mir (und nicht von allen Schülern 😉 ) so geliebte “prrr” – Lippenflattern. Auch das Thema “Stütze” – oder lieber “Unterstützung” wird hier geübt.
Hier gibt es ein paar Infos zur Atmung:
Stimmsitz und Intonation
Dass die Stimme einen “Platz” bekommen darf und nicht “frei im Mund herumschwebt”, ist der nächste Abschnitt. Hier beschäftigen wir uns z.B. mit Übungen wie Summen, um ein Gefühl für Resonanzen zu entwickeln. Ich arbeite hier sehr gerne mit Glissando-Übungen, die gleichzeitig eine bessere Tonhöhenregelung trainieren.
Vokaltrakt – Öffnung
Einer der wichtigsten Aspekte beim Singen ist der “entspannte Hals”. In diesem Themenbereich beschäftigen wir uns mit der Kehlkopfposition und mit einer weiten Öffnung im Rachen (vgl. Gähnen). Dieses Thema ist vor allem für den klassischen Bereich ganz essenziell, weil dort eine tiefere Kehlkopfposition erwünscht ist. Hier trainieren wir über tiefe, weite, offene Töne die Entspannung im Hals und auch die Fähigkeit für Weite im Hals bei hohen Tönen.
Abschnitt 2 – Artikulation
Wir erzeugen Klänge beim Singen und meistens möchten wir verständlichen Text singen. Dieser Text stört aber gerne den Klang. Und genau damit beschäftigen wir uns in diesem Abschnitt.
Vokaltrakt – Rundung
Jetzt geht es ans Singen! Mit Übungen auf dunklen Vokalen – hauptsächlich “o”, teilweise im Wechsel mit “a” und/oder “u” – starten wir die “normalen Gesangsübungen”. Für viele Sänger ist “o” ein sehr angenehm zu singender Vokal und so geht es jetzt darum, Kontakt zur eigenen Stimme aufzunehmen und einen ersten “runden Klang” zu entwickeln. Hier arbeite ich gerne mit dem Bild einer “Kugel”, die dann je nach gewünschtem Klangideal (Klassik, Pop,…) angepasst werden kann. Auch Lippenrundung und Lippen(ent)spannung gehört zu diesem Themenbereich.
Zunge, Artikulation und “i”
Ist auf dunklen Vokalen ein entspannter klarer Ton gelungen, dann geht es darum, diese Klangqualität auch z.B. beim von vielen Sängern gefürchteten Vokal “i” beizubehalten. Da die Zunge bei der Bildung des “i” eine wichtige Rolle spielt, kombiniere ich diese beiden Themen. Mit Übungen auf Silben wie li-la-lia-iea etc. sortieren wir die Zungenbewegung und sprechen über Grundsätze der Artikulation.
Hier ein paar Sätze zur Zunge:
Vokalausgleich
Nachdem wir uns mit “o” bzw. dunklen Vokalen und “i” beschäftigt haben, sind tendenziell vor allem die Unterschiede dieser Vokale klar geworden. Jetzt geht es darum, die Vokale möglichst etwas aneinander anzugleichen. Ich beschreibe das gerne mit dem Satz “Vokalausgleich bedeutet, dass wir auf allen Vokalen gleich gut/schön singen können. Hierzu werden Übungen verwendet, die viele Vokale kombinieren – z.B. mit Abfolgen wie u-o-a-e-i.
Hier ein paar Infos zum Vokalausgleich:
Konsonanten und Zwerchfell
Während die Artikulation im Abschnitt “Zunge” bereits mit einfließt, geht es hier einerseits um die detaillierte Aussprache einzelner Konsonanten. Und andererseits üben wir, wie eine saubere Artikulation der Konsonanten mit einem “frei schwingenden und reagierenden Zwerchfell” eine gute Wahrnehmung für die “Unterstützung” schaffen kann.
Abschnitt 3 – Stimmbereiche und Übergänge
In diesem Abschnitt geht es um das, was manchmal als “Register” bezeichnet wird. Dabei untersuchen wir u.a. die verschiedenen Resonanzempfindungen der Stimme wie “Kopfstimme”, “Bruststimme” usw. und die Fragen, wie man diese Stimmklänge gezielt erzeugt und dann fließend ineinander übergehen lassen kann. Auch sehr hohe und sehr tiefe Töne sind hier ein Thema.
Resonanzbereiche (Kopfstimme, Bruststimme,…)
Hier werden die einzelnen Stimmklänge und Stimmbereiche “getrennt” trainiert, u.a. über die Verwendung der Vokaleigenschaften und Dynamik. So “lockt” z.B. ein lautes tiefes “a” einen Bruststimmklang hervor. Körperübungen können das Finden der Bereiche unterstützen.
Übergänge/Passagio
Um die getrennten Bereiche verbinden zu können, ist es nötig, die “Ränder anzupassen”. Wenn z.B. ein mit voller Intensität laut gesungener Bruststimmton nach oben geführt wird, dann “kracht” die Stimme manchmal “in die Kopfstimme”. In diesem Themenkomplex beschäftigen wir uns damit, wie man die einzelnen Stimmklänge weich(er) ineinander übergehen lassen kann. Ich nenne das auch, “statt einem Schalter einen Schieberegler einbauen”. Das ist vor allem im klassischen Gesang und im Chorgesang wichtig und erfordert bereits Kenntnisse im Bezug auf “Schwellfähigkeit/Dynamik”. In populären Gesangsstilen ist diese Mischung zwar natürlich auch interessant, kann aber durch einen sogenannten “Flip” umgangen werden.
Große Tonumfänge und hohe Töne
Um die Bereiche der Stimme weiter miteinander zu verbinden, kann man auch große Tonumfänge von einer Oktave und mehr verwenden. So wandert der Sänger innerhalb einer Übung durch einen großen Teil seines Stimmumfangs. Diese oft schwungvoll ausgeführten Gesangsübungen helfen, Kontrolle abzugeben und die Stimme “einfach mal machen zu lassen”.
Gleichzeitig ist das ein guter Weg, um sich an höhere Töne heranzutasten. Durch den größeren Tonumfang liegen dann nicht alle Töne in einer unbequemen Höhe, sondern es gibt noch “einfachere” tiefere Töne, von denen ein Sänger quasi “auf die höheren Töne abspringen” kann.
Tiefe Töne
Auch tiefere Töne möchten geübt werden. Dazu müssen sich die Stimmlippen etwas stärker zusammenziehen und das kann man mit verschiedenen Übungen trainieren.
Abschnitt 4 – Fortgeschrittene Gesangstechnik
Hier noch einige weitere Themen, die zum Teil erst für fortgeschrittene Sänger geeignet sind, die bereits eine grundlegende Gesangstechnik beherrschen.
Schwellfähigkeit/Dynamik
Dynamik ist beim Singen ein “schwieriges Thema”. Natürlich ist es wichtig, dass Sänger lernen, laut und leise zu singen. Aber zunächst erzeugen Anfänger Lautstärke erfahrungsgemäß durch “Druck nach außen” und leise Töne durch “Hals zudrücken, um den Ton zurückzuhalten”. Gut laut und leise singen zu können, erfordert viel Erfahrung eine gute Gesangstechnik. In diesem Abschnitt geht es darum, wie man aufbauend auf den vorherigen Übungen lernen kann, auf gesunde Weise Lautstärkenänderungen in der Stimme zu erzeugen. Themen wir Stimmsitz, Unterstützung und Gefühl für die Zwerchfellbewegung sollten bereits zumindest zum Teil verinnerlicht sein.
Staccato
Staccato ist eine sehr gute Übung für den Stimmeinsatz und kann auch beim Üben von hohen Tönen sehr hilfreich sein. Für Anfänger ist Staccato singen nicht oder wenig geeignet, da man über einen zu harten Einsatz der Stimme auch schaden kann. Es gibt aber eine “Bo-Bo-Bo”-Vorübung, die auch für unerfahrene Sänger gut machbar ist. Staccato ist eine wunderbare Möglichkeit, um die Zwerchfellarbeit zu spüren.
Koloratur
Für erfahrene Sänger im Bereich der klassischen Musik ist Koloratur ein wichtiges Thema. In diesem Abschnitt gibt es daher Übungen zu Koloratur und auch allgemein zur Flexibilität der Stimme.
Populäre Gesangsstile im Unterschied zum klassischen Klang
Viele Übungen sind genreübergreifend nutzbar. Da ich aber selbst klassisch ausgebildete Sängerin bin, liegt der Schwerpunkt meines Unterrichts nach wie vor auch auf dem klassischen Gesang und diese Elemente fließen natürlich oft in die Übungen mit ein. Deshalb gibt es in diesem Abschnitt ganz gezielt Übungen dazu, wie man einen “Popstimmklang” für z.B. Pop, Jazz, Musical, Folk,… erzeugen kann und was die Unterschiede zum klassischen Klang sind.
Neugierig geworden?
Ich hoffe, ich konnte hier einen verständlichen Überblick über den Aufbau meiner Gesangstechnik geben. Ich werde nach und nach zu allen oder fast allen Themenbereichen detailliertere Artikel ergänzen und auch teilweise Gesangsübungen veröffentlichen. Von daher schauen Sie doch gerne ab und an vorbei, ob sich etwas Neues getan hat.
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